3. Sep. 2009 : admin
Öko-Siegel: Bio Lebensmittel erkennen
Die tiefgreifenden Skandale innerhalb der letzten Jahre rund um Melamin, MON28 oder der Käsemafia lassen viele Menschen beim Einkauf zögern: Sind Bio Lebensmittel wirklich „sauber“? Spätestens seit BSE und Schweinepest, MKS und Vogelgrippe zeigt sich, dass weitreichende Probleme mit der industriellen Massenproduktion von Lebensmitteln einhergehen. Die Verbraucher sind zunehmend verunsichert, welche Lebensmittel noch ohne Bedenken genossen werden können. Auch bei Biolebensmitteln wird von Skandalen berichtet. So sei der Absatz von Biolebensmittel mittlerweile größer als die eigentlich produzierte Menge. Deshalb wurden in der jüngsten Zeit vermehrt Ökosiegel entwickelt, um tatsächliche Biolebensmittel von “falschen” zu unterscheiden. Wir erklären Ihnen die verschiedenen Siegel und was Sie beachten müssen…

Öko-Siegel bezeichnet als Sammelbegriff die zertifizierte Kontrolle von Bio Lebensmitteln nach ökologisch nachhaltigen Maßstäben und Methoden. Dazu gehören aber auch Zertifikate für Erzeugnisse aus der holzverarbeitenden oder chemischen Industrie ebenso wie der Energiepass für Gebäude.
Öko-Siegel für Biolebensmittel der EU und Deutschlands:
Das Bio-Siegel der EU ist ein Gütesiegel, mit welchem Erzeugnisse aus dem biologischen bzw. ökologischen Landbau gekennzeichnet werden. Überwacht wird die Einhaltung bei allen Produktionsschritten für alle in der EU hergestellten Öko- und Bio-Produkte durch die jeweils zuständige Kontrollstelle.

Bei dem deutschen sogenannten „Künast-Siegel“ handelt es sich um das sechseckige grüne Bio-Siegel, mit dem in Deutschland Lebensmittel und andere Produkte nach der EG-Öko-Verordnung ausgezeichnet werden. Hierbei gilt, dass gekennzeichnete Lebensmittel keine genmanipulierten Bestandteile haben, nicht radioaktiv bestrahlt sein dürfen, ohne den Einsatz von Pflan
zenschutzmitteln oder Dünger sowie frei von Geschmacksverstärkern, künstlichen Aromen, Emulgatoren und Farbstoffen hergestellt sein müssen.
Außerdem wird für den ökologischen Landbau gefordert, die Fruchtfolgen abwechslungsreich zu gestalten, Tiere artgerecht zu halten und mit ökologisch produzierten Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika oder Leistungsförderern zu füttern.
Nichstaatliche Ökosiegel:
Bekannte Bio-Siegel für Nahrungsmittel sind neben den staatlichen, die privaten Verbandssiegel wie etwa Bioland, Demeter, Gäa oder Naturland. Diese waren maßgeblich treibende Kräfte für den Bio-Trend in deutschen Küchen und produzieren sowie kontrollieren nach eigenen, oft strengeren Richtlinien als die öffentlichen Stellen.
Außen hui – innen pfui:
Leider halten es manche Hersteller für eine vortreffliche Marketingstrategie, mit der Aufschrift „Bio“ satte Extramargen zu verdienen. Mit Formulierungen wie „aus kontrolliertem Anbau“, „von staatlich anerkannten Bauernhöfen“ oder „aus alternativer Landwirtschaft“ soll dem Verbraucher Sicherheit durch staatliche Kontrolle vorgegaukelt werden – natürlich gegen einen gewissen Aufpreis. Dabei erwecken diese Produkte oft mit entsprechendem Verpackungsdesign einen „grünen“ Eindruck, haben aber mit biologischer oder ökologischer Landwirtschaft leider wenig zu tun.
Achten Sie auf Formulierungen wie: „aus staatlich kontrolliertem Anbau“, „aus kontrolliert biologischem Anbau“ und „aus kontrolliert ökologischem Anbau“; dies sind staatlich geschützte Formulierungen, die nur von zertifizierten Herstellern verwendet werden dürfen. Schauen Sie bei Eierverpackungen besonders genau hin: Hier kennzeichnet eine „0“ am Anfang der Kontrollnummer 0-DE-0000000 die glücklichsten Hühner in Freilandhaltung.
Öko-Siegel bei Holz und Papier?
Obwohl renommierte Verbände wie etwa der Blaue Engel einige Farben, Lacke und Papiererzeugnisse empfehlen, gelten diese Produktgruppen nach wie vor als besonders wasserintensiv und umweltschädigend, denn sie durchlaufen aufwendige chemische Verfahren bei der Herstellung und Verarbeitung.
Ebenso ist die Abholzung von Wäldern im industriellen Maßstab kaum mit ökologischen Richtlinien vereinbar. Zertifikate von Verbänden wie Naturland und dem Forest Stewardship Council (FSC) sind daher als Schadensbegrenzungen zu verstehen: Einfach ausgedrückt wird unter Aufsicht weniger zerstört, außerdem handelt es sich meistens um schnellwachsende Holzbestände, die eigens für diesen Zweck angebaut wurden.
Tomaten aus Spanien, Erdbeeren aus der Türkei:
Öko ist chic, bio ist in. Dabei nutzen viele Hersteller diesen boomenden Markt, um mit angeblichen Bio-Siegeln konventioneller Ware einen „grünen Anstrich“ zu verleihen. Besonders ratsam ist ein prüfender Blick auf wasserintensive Bio-Produkte aus warmen Ländern: Spanien, Israel und die Türkei sind für den besonders hohen Wasserverbrauch in der Landwirtschaft bekannt, der EU-Staat im Süden wurde 2008/2009 dafür sogar merhfach aus Brüssel gerügt.
Daher sollten Sie sich als Verbraucher gezielt informieren, kritisch einkaufen und vielleicht etwas maßvoller essen: Sollte man Bio-Produkten aus China trauen? Ist der Käse nicht etwas zu günstig? Sind die riesigen Tomaten aus der Ukraine wirklich unbelastet? Kann man dieses Jahr zur Weihnachten einmal auf Erdbeeren verzichten?
Kategorie: Verbraucherschutz
1 Kommentar



22. Dezember 2009 um 22:24
Ohjaaa, sehr wahr der Artikel. Seh’ ich fast genauso. Liebe Grue